Transkulturelle Pflege am Lebensende

Hospiz- und Palliativstützpunkt tagte im Kreishaus

v.l. Prof. Dr. Reinold Mokrosch, Dr. Gerrit Schulte, Celik Atlen, Elke Urban, Sabine Weber
Hospiz- und Palliativstützpunkt tagte im Kreishaus

Eines eint alle Menschen unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Kultur und Religion: der Tod. Allerdings sind die Wege in der letzten Lebensphase sehr unterschiedlich. Pflegekräfte und Ärzte stehen vor den wachsenden Herausforderungen, um die palliative Begleitung und kulturelle Unterschiede zu vereinbaren. Beim Treffen des Hospiz- und Palliativstützpunktes wurden die Möglichkeiten der Begleitung diskutiert.

Immer mehr Menschen werden am Ende ihres Lebens palliativ versorgt. Immer mehr Menschen, die hier begleitet werden, gehören nicht christlichen Kulturkreisen an oder sind nichtreligiös. Jeder Sterbende und die Angehörigen müssen nach ihren kulturellen Wünschen diese letzte Phase erleben können, so der Wunsch der Palliativmediziner. Wie können nun Pflegekräfte und Ärzte nach diesen interkulturellen Vorgaben individuelle Sterbehilfe leisten? Den rund hundert Palliativfachkräften gab Elke Urban Antworten.

Die Autorin und Krankenschwester mit Palliativ- Care-Fachausbildung sprach die Unsicherheit an, mit denen Pflegekräfte den Menschen aus fremden Kulturkreisen in der letzten Lebensphase begegnen. „Wir haben große Berührungsängste, doch abwarten und nichts machen ist das Schlechteste“, so Elke Urban. Wichtig seien die zwischenmenschlichen Signale, eben den Menschen mit seiner Kultur und den Ritualen respektieren. Wer die Kultur des Sterbenden näher kennt, hat bei der palliativen Begleitung Vorteile und macht weniger Fehler, so Elke Urban.

Kulturelle Unterschiede sind nicht nur in der Religion zu berücksichtigen, sie bestimmen auch Körperpflege, Medikamente, Ernährung und Kleidung. Sabine Weber bat zur Podiumsdiskussion und erfragte unterschiedliche Sichtweisen.

Professionelle Sterbebegleitung gibt es im Islam nicht, dort übernehmen die Angehörigen die Begleitung. Koran-Rituale sind Muslimen wichtig, um in „andere Räume hinübertreten“ zu können, sage Celik Atlen von der muslimischen Gemeinde Osnabrück. Ob dieser Übergang mit oder ohne Religion, mit Glauben oder Spiritualität besser gelingt, diskutierten Reinhold Mokrosch, evangelischer Theologe, und Gerrit Schulte, Diakon und Caritasvorsitzender, mit Elke Urban und Celik Atlen. Für Christen sei die Zusage Gottes auf Begleitung ein Trost, so Schulte, und nannte dabei die Krankensalbung. Allerdings: „Wir müssen tun, was dem Sterbenden und den Angehörigen hilft, nicht was den Kirchengeboten dient“, so Gerrit Schulte. Für Reinhold Mokrosch ist „der Tod der Urskandal des Lebens“, sensible Sterbebegleitung umso mehr Verpflichtung.

Am Schluss einigten sich die Palliativmediziner und Pflegende auf einen Nenner: die authentisch zugewandte Sterbebegleitung. „Wir müssen zu einem gelingenden Leben und zu einem gelingenden Sterben motivieren“, so Sabine Weber.

Quelle:
Neue Osnabrücker Zeitung
vom 27.03.2014

Autorin:
Bärbel Recker-Preuin

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